{"id":13112,"date":"2010-05-31T13:49:00","date_gmt":"2010-05-31T13:49:00","guid":{"rendered":"http:\/\/blogs.thesocialmedia.com\/dasautoblog\/2010\/05\/31\/tom-kristensens-le-mans-countdown-t-12\/"},"modified":"2012-06-29T09:40:39","modified_gmt":"2012-06-29T09:40:39","slug":"tom-kristensens-le-mans-countdown-t-12","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.thesocialmedia.com\/dasautoblog\/2010\/05\/31\/tom-kristensens-le-mans-countdown-t-12\/","title":{"rendered":"Tom Kristensen&#8217;s Le Mans Countdown: T-12"},"content":{"rendered":"<p><span class=\"mt-enclosure mt-enclosure-image\"><a href=\"http:\/\/blogs.thesocialmedia.com\/dasautoblog\/files\/2012\/06\/audi_r10_21.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/blogs.thesocialmedia.com\/dasautoblog\/files\/2012\/06\/audi_r10_2-thumb-250x187-27706.jpg\" width=\"250\" height=\"187\" alt=\"\" class=\"mt-image-left\" style=\"float: left;margin: 0 20px 20px 0\" \/><\/a><\/span><a href=\"http:\/\/www.lemans.org\">Le Mans<\/a> Rekordsieger Tom Kristensen gew\u00c3\u00a4hrt in einer w\u00c3\u00b6chentlichen Kolumne exklusive Einblicke hinter die Kulissen des ber\u00c3\u00bchmtesten Langstrecken-Rennens der Welt und in die Vorbereitung des Audi Sport Team Joest.  &#8220;Heute m\u00c3\u00b6chte ich Ihnen etwas \u00c3\u00bcber die Strecke erz\u00c3\u00a4hlen, die Schauplatz des schnellsten 24-Stunden-Rennens der Welt ist &#8211; eine Strecke, deren Verlauf sich seit 1923 zwar immer wieder mit neuen Elementen ver\u00c3\u00a4ndert hat, die aber in der Streckenl\u00c3\u00a4nge und ihrer ganzen Faszination immer gleich geblieben ist. Nur einmal im Jahr wird hier ein Rennen ausgetragen, auch Testfahrten sind dort nicht m\u00c3\u00b6glich, denn ein Teil des Kurses f\u00c3\u00bchrt \u00c3\u00bcber sonst \u00c3\u00b6ffentliche Landstra\u00c3en.   Den gr\u00c3\u00b6\u00c3ten Einschnitt gab es sicherlich durch die beiden Schikanen auf der Hunaudi\u00c3\u00a8res-Geraden. Ohne die Schikanen wurden fr\u00c3\u00bcher Spitzengeschwindigkeiten von \u00c3\u00bcber 400 km\/h erreicht, wovor ich gro\u00c3en Respekt habe. Heute liegen sie \u00e2nur noch&#8217; bei fast 340 km\/h &#8211; und trotzdem fahren wir auf der 13,629 Kilometer langen Strecke inzwischen schnellere Rundenzeiten. Das zeigt, wie sehr sich die Technik in den letzten Jahrzehnten weiterentwickelt hat.  Jeder Teil der Strecke hat seinen ganz eigenen Charakter. Das f\u00c3\u00a4ngt schon mit der Dunlop-Schikane an, die man aus etwa 300 km\/h anbremst und wo man links und rechts \u00c3\u00bcber die Randsteine f\u00c3\u00a4hrt. Durch den ber\u00c3\u00bchmten Dunlop-Bogen geht es ziemlich steil bergab in die \u00e2Esses&#8217; und danach zur Tertre Rouge. Das ist ein sehr sch\u00c3\u00b6ner, fl\u00c3\u00bcssiger, aggressiver Streckenabschnitt, der viel Grip bietet, aber auch einige Bodenwellen hat und deshalb etwas trickreich ist.  Es ist auch eine ganz besondere Passage mit einer nach au\u00c3en h\u00c3\u00a4ngenden Kurve hinter einer Kuppe. Innen kann man mit den entlasteten R\u00c3\u00a4dern \u00c3\u00bcber die Randsteine fahren, die Randsteine auf der Au\u00c3enseite sollte man aber meiden, weil sie nicht gut f\u00c3\u00bcr das Auto sind. Am Ausgang von Tertre Rouge ist es wichtig, viel Speed f\u00c3\u00bcr den ersten Teil der Hunaudi\u00c3\u00a8res-Geraden mitzunehmen. Ich fahre hier in der Regel auf der rechten Stra\u00c3enseite und wechsle erst auf der H\u00c3\u00a4lfte der Geraden auf die linke Seite. Da sie sehr viele Spurrillen hat, gibt es nur wenige Stellen auf der Geraden, an denen man die Seite wechseln kann, ohne mit dem Unterboden des Fahrzeugs aufzusetzen. Beim 300-Meter-Schild f\u00c3\u00a4ngt man an, sich auf die Schikane zu konzentrieren. Mit dem R15 TDI bremse ich aber erst etwa 170 Meter vor der Schikane. Man kommt mit mehr als 340 km\/h angeflogen und bremst im ersten Moment extrem hart. Dabei werden fast 3 g erreicht, was sehr anstrengend ist. Wegen der Spurrillen muss man dann die Bremskraft beim Einlenken perfekt kontrollieren, weil sonst die Frontr\u00c3\u00a4der blockieren k\u00c3\u00b6nnen. Erst nachdem man die Spurrillen \u00c3\u00bcberquert hat, kann man wieder etwas h\u00c3\u00a4rter bremsen &#8211; das ist etwas ungew\u00c3\u00b6hnlich, aber sehr typisch f\u00c3\u00bcr Le Mans. Die zweite Schikane ist etwas schneller und gegen\u00c3\u00bcber der ersten Schikane spiegelverkehrt. Man bremst auf der rechten Seite und lenkt dann nach links ein. Am Eingang gibt es nicht nur die Spurrillen, sondern auch eine Kompression, nach der man sofort die Richtung wechseln muss. Das ist eine Schl\u00c3\u00bcsselstelle. Am Ausgang der zweiten Schikane fahre ich bis ganz an die Randsteine heran, aber nicht weiter, um keine Traktion zu verlieren. Am Ende der Hunaudi\u00c3\u00a8res erreicht man noch einmal fast H\u00c3\u00b6chstgeschwindigkeit, auch wenn wir nicht ganz so schnell sind wie vor der ersten Schikane, dem schnellsten Punkt der Strecke. Die ber\u00c3\u00bchmte Kuppe am Ende der Geraden wurde vor einigen Jahren fast vollst\u00c3\u00a4ndig abgetragen. Trotzdem ist Mulsanne eine Stelle, die jeder Le-Mans-Fan vor allem nachts einmal besucht haben sollte. Wir m\u00c3\u00bcssen sehr hart bremsen, und zwar in einer leichte Rechtskurve. Der Belag ist dort recht wellig, deshalb wird das Auto beim Anbremsen unruhig. Man hat das Gef\u00c3\u00bchl, in eine Falle zu fahren, denn man f\u00c3\u00a4hrt mit 330 km\/h geradeaus auf die Leitplanken zu und der Weg zum Kiesbett ist sehr kurz. Entsprechend ist hier volle Konzentration beim Anbremsen gefragt.  In Mulsanne kann man auf beiden Seiten die flachen Randsteine benutzen. Was folgt, ist eine weitere Gerade, die aber viel enger ist als die Hunaudi\u00c3\u00a8res. Dort f\u00c3\u00bchlt man sich fast wie auf einer Autobahn und kann auch die Randstreifen auf beiden Seiten nutzen. Nach Mulsanne ist die Stra\u00c3e so schmal, dass nur zwei Autos nebeneinander Platz haben &#8211; und das auch nur dann, wenn sie sich einander Platz lassen. Wenn ein Auto in der Mitte f\u00c3\u00a4hrt, kann man nicht \u00c3\u00bcberholen. Kurz vor Indianapolis sind wir nur minimal langsamer als vor der ersten Schikane. Die kleine Biegung, die es zwischen Mulsanne und Indinapolis gibt, registriert man mit einem Serienauto gar nicht. Mit einem Rennauto bei rund 330 km\/h ist das aber eine richtige Kurve. An dieser Stelle gibt es eine ber\u00c3\u00bchmte Kuppe, auf der man im Zweikampf mit anderen Fahrzeugen etwas aufpassen muss. In der Rechtskurve von Indianapolis geht man nur ein bisschen vom Gas und l\u00c3\u00a4sst das Auto mit der hohen Geschwindigkeit durch die Kurve rollen. \u00c3brigens mit einem Diesel-Antrieb, wie wir ihn im R15 TDI haben, ein ganz typischer Fahrstil. Anschlie\u00c3end muss man f\u00c3\u00bcr Indianapolis 2 sehr hart bremsen. Ich bremse an dieser Stelle mit links und gebe mit dem rechten Fu\u00c3 etwas Gas, um das Auto zu stabilisieren. In der leicht \u00c3\u00bcberh\u00c3\u00b6hten Rechtskurve von Indianapolis 2 darf man keinen Fehler machen. Wenn hier ein Rad blockiert, wird man aus der Kurve katapultiert und landet im Kiesbett &#8211; und dann hat man noch Gl\u00c3\u00bcck gehabt, denn die Leitplanken sind nicht weit weg. Anschlie\u00c3end beschleunigt man kurz, ehe die langsamste Kurve der Strecke kommt: Arnage. Auch hier kann man leicht einen Fehler machen. Zum einen muss man sich im Kopf umstellen, weil nach der langen schnellen Passage eine so langsame Kurve kommt. Zum anderen sind die Bremsen von der vorangegangenen Kurve noch ziemlich hei\u00c3, so dass sie zum Fading neigen. Deshalb sieht man hier oft stehende R\u00c3\u00a4der, weil man in so einer Situation dazu neigt, noch h\u00c3\u00a4rter auf das Bremspedal zu treten. Und das Problem ist, dass die Wand nur 50 Zentimeter vom Randstein entfernt ist. Der Kurvenausgang von Arnage ist kein Problem &#8211; zumindest nicht im Trockenen. Im Regen hat die Strecke auch hier keinen Grip. Anschlie\u00c3end folgt ein landschaftlich sehr sch\u00c3\u00b6ner, fast romantischer Streckenabschnitt, ehe man in die Porsche-Kurven hineinsticht. Und das ist jedes Mal eine Herausforderung. Man kommt auch hier mit rund 330 km\/h an und setzt mit dem Auto an jener Stelle auf, wo der Asphalt zwischen der Landstra\u00c3e und dem permanenten Streckenteil wechselt. Diese Stelle bestimmt bei der Abstimmung die Fahrzeugh\u00c3\u00b6he, denn man sollte hier nicht allzu stark aufsetzen, weil man mit rund 280 km\/h durch die Kurve f\u00c3\u00a4hrt. 3\/5 In den Porsche-Kurven und der folgenden Maison Blanche f\u00c3\u00bchlt man sich fast wie in einem Tunnel. Man f\u00c3\u00a4hrt fast immer \u00c3\u00bcber 240 km\/h, und das praktisch blind. Es geht auch etwas rauf und runter. Die letzte Linkskurve h\u00c3\u00a4ngt etwas nach au\u00c3en. An dieser Stelle kann das Auto untersteuern. Es ist sehr wichtig, dass man sich f\u00c3\u00bcr die richtige Linie entscheidet und Vertrauen in sein Auto hat. Im Verkehr kann man in den Porsche-Kurven sehr viel Zeit verlieren, weil man von der Linie herunter muss und neben der Linie extrem viel Gummiabrieb liegt. Das macht es Runde f\u00c3\u00bcr Runde sehr trickreich. F\u00c3\u00bcr die Porsche-Kurven braucht man eigentlich richtig viel Abtrieb. Doch das w\u00c3\u00bcrde bedeuten, dass man auf den Geraden nicht schnell genug ist. In Le Mans kommt es darauf an, den besten Kompromiss zu finden. Vor der letzten Schikane gibt es noch einen kleinen Rechts-links-Knick, den man voll f\u00c3\u00a4hrt, der im Verkehr aber sehr herausfordernd sein kann. Vor der Schikane muss man extrem sp\u00c3\u00a4t bremsen, aber der Bremsvorgang muss abgeschlossen sein, ehe man \u00c3\u00bcber die Randsteine f\u00c3\u00a4hrt. Man muss hier abk\u00c3\u00bcrzen, darf aber das Auto nicht besch\u00c3\u00a4digen. In den zweiten Teil der Schikane kann man das Auto richtig reinschmei\u00c3en. Wenn man nachts f\u00c3\u00a4hrt, ist man von dem vielen Licht bei Start und Ziel etwas irritiert. Das ist hart f\u00c3\u00bcr die Augen. Auch wenn man anschlie\u00c3end nach der Dunlop- Schikane wieder auf den dunklen Teil der Strecke kommt, ist es sehr anstrengend f\u00c3\u00bcr die Augen. So weit eine Runde in Le Mans. Eine Sache m\u00c3\u00b6chte ich aber noch erw\u00c3\u00a4hnen, und das sind die vielen Streckenposten, die in Le Mans arbeiten. Sie kommen nicht nur aus Frankreich, sondern von \u00c3\u00bcberall her und machen einen fantastischen Job. Sie sind sehr professionell und versuchen, so wenig es geht in das Renngeschehen einzugreifen. Alle Fahrer in Le Mans wissen die Arbeit der Streckenposten sehr zu sch\u00c3\u00a4tzen. Es gibt auch eine Truppe d\u00c3\u00a4nischer Streckenposten, ich wei\u00c3 aber nicht, wo genau sie auf der Hunaudi\u00c3\u00a8res-Geraden t\u00c3\u00a4tig sind. Vielleicht kommen sie mich w\u00c3\u00a4hrend der Le-Mans-Woche ja mal im Fahrerlager besuchen. Ich w\u00c3\u00bcrde mich freuen.&#8221; Ihr Tom Kristensen <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Le Mans Rekordsieger Tom Kristensen gew\u00c3\u00a4hrt in einer w\u00c3\u00b6chentlichen Kolumne exklusive Einblicke hinter die Kulissen des ber\u00c3\u00bchmtesten Langstrecken-Rennens der Welt und in die Vorbereitung des Audi Sport Team Joest. &#8220;Heute m\u00c3\u00b6chte ich Ihnen etwas \u00c3\u00bcber die Strecke erz\u00c3\u00a4hlen, die Schauplatz des schnellsten 24-Stunden-Rennens der Welt ist &#8211; eine Strecke, deren Verlauf sich seit 1923 zwar [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":248,"featured_media":38360,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[99,47],"tags":[],"class_list":["post-13112","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-le-mans","category-motorsport"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogs.thesocialmedia.com\/dasautoblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13112","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogs.thesocialmedia.com\/dasautoblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogs.thesocialmedia.com\/dasautoblog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.thesocialmedia.com\/dasautoblog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/248"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.thesocialmedia.com\/dasautoblog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13112"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/blogs.thesocialmedia.com\/dasautoblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13112\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":38362,"href":"https:\/\/blogs.thesocialmedia.com\/dasautoblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13112\/revisions\/38362"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.thesocialmedia.com\/dasautoblog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/38360"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogs.thesocialmedia.com\/dasautoblog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13112"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.thesocialmedia.com\/dasautoblog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13112"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.thesocialmedia.com\/dasautoblog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13112"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}