
Michelin, gröÃter Autoreifenkonzern der Welt mit Sitz in Frankreich, rief zur Vorstellung des neuen High Performance Reifens Michelin Pilot Super Sport nach Dubai. Dasautoblog.com folgte dem Ruf in das Emirat der (geplatzten) Träume, schnellen Autos und unzähligen GroÃbaustellen. In Dubai ist alles irgendwie etwas anders. Ein kleiner Bericht über schnelle Autos, teure Reifen und einen prominenten Gast.
Zunächst mal stand zwischen Dubai und mir eine etwa einstündige Zugfahrt von Köln nach Frankfurt. 1. Klasse ICE, versteht sich. Wer nach Dubai fliegt, der ist schlieÃlich wichtig! (Und muss in diesem Fall nicht selbst bezahlen…).
Auf die Zugfahrt folgte ein wenig Wartezeit am Frankfurter Flughafen und anschlieÃend ein Sechsstunden-Flug mit unbequemen Sesseln, fragwürdigen Mahlzeiten und unattraktiven Stewardessen. Aber was nimmt man nicht alles in Kauf, um in Dubai mit diversen Supersportwagen Gummi von Reifen auf Asphalt zu übertragen. Oder wenn man den Aussagen der Michelin-Mitarbeiter glauben darf, eben nicht. Denn der Pilot Super Sport soll neben perfektem Grip und Handling auch noch mit extremer Haltbarkeit überzeugen. Aber dazu später mehr.
An der Rennstrecke – dem zu dieser Zeit verlassen wirkenden Dubai Autodrom – ging es dann in Gruppen und unterschiedliche Stationen aufgeteilt los. Nachdem man zu Beginn schon einen Blick in die Boxengasse werfen durfte, in der brav aufgereit Kracher wie der Mercedes SLS AMG, Lamborghini Gallardo, Audi R8, ein von AC Schnitzer aufgebrezelter M3, ein roter Flitzer aus Maranello namens 458 Italia, der deutsche Gumpert Apollo und einige andere auf ihren Einsatz warteteten, ging es zunächst per Shuttlebus zu einer anderen Destination. So wartete erstmal der Bremsen- und Nasshandling-Test. Mehrere BMW M3 und Audi TT 3.2 Quattro standen schon für die ungeduldigen Tester an einem Teilstück der Strecke bereit.
Meine Wenigkeit durfte als erster mit dem Münchner Sportcoupé auf exakt Tempo 90 beschleunigen (dank programmiertem Tempomat kein Problem), um dann am Ende einer Pylonengasse mit voller Wucht das Bremspedal ins Bodenblech zu pressen. Der gleiche Vorgang wurde dann wenige hundert Meter weiter nochmals auf nassem Untergrund wiederholt. Um die Leistung des Pilot Super Sport überhaupt bewerten zu können, war auf bereitstehenden Vergleichsfahrzeugen der ContiSportContact 5P montiert, der Hochleistungsreifen des Wettbewerbers Continental. Und offensichtlich hat sich die vierjährige Entwicklungszeit des Michelin Topprodukts gelohnt, denn auf trockenem Untergrund steht der BMW mit Michelin Bereifung im Durchschnitt 0,7 Meter früher als der Conti-M3. Auf nassem Asphalt wird der Unterschied noch deutlicher, hier macht der Michelin sogar knapp 1,5 Meter früher das Rennen. Im schlimmsten Falle kann diese Distanz im Strassenverkehr über Leben und Tod entscheiden. Aber das sind Dinge, über die man sich in dieser Situation erstmal keine Gedanken macht, denn es wartet noch der Audi TT Quattro, der im bewässerten Kreisverkehr an seine Haftungsgrenze getrieben werden will. Stetig beschleunigend zahlt irgendwann auch die sehr gelungene Kombination aus Pilot Super Sport und Quattroantrieb der Physik Tribut, allerdings deutlich später und zudem besser beherrschbar als der mit Continental bereifte Audi.
Weiter geht’s zum Trockenhandling: vier wassergekühlte, 355 PS starke Carrera S warteten auf die PS-geile Meute bestehend aus Markenvorständen, Händlern, Marketing Leitern, Tunern und Journalisten. Auf einem Teilstück der Rennstrecke konnte nun der Zuffenhausener mit französischen Reifen in Kurven und auf einer langen Geraden getestet werden, wieder im direkten Vergleich mit dem Conti. Auch hier zeigt sich, dass Michelin scheinbar all das Know-How, dass aus vielen vielen Jahren der Reifenherstellung resultiert, in dieses eine Produkt gesteckt hat. Der Michelin-Porsche liegt knackiger, beherrschbarer auf der Strecke, lenkt direkter ein und bremst kontrollierbarer.
Bevor ich mir aber darüber weiter den Kopf zerbrechen kann, sitze ich schon wieder im Shuttlebus und werde Richtung Boxengasse befördert. Dort ist erstmal eine kleine Stärkung in Form eines reich bestückten Buffets angesagt. Schnellt verputzt und weiter zur nächsten Station.
Nun war man erstmal zum Nichtstun degradiert, denn am Steuer saÃen jetzt die Profis. Mehrere Michelin-Testfahrer standen bereit, um die geladenen Gäste mit auf eine recht rasante Spritztour auf der Rennstrecke zu nehmen. Die erste Runde war noch Pflichtprogramm, denn hier wurde dem Fahrgast erklärt, was den Superreifen ausmacht. Grip, Kurvenlage, Langzeitqualität, Nasshandling – im Prinzip konnten wir das zwar schon alles selbst testen, aber da das Ganze ja eine groÃe Marketingkampagne war, hört man aufmerskam zu und freut sich, dass der Fahrer nach der Einführungsrunde die Kür startet. Auf dem Beifahrersitz des Porsche 911 Turbo und anschlieÃend im Ferrari 458 Italia wurde es dann schon leicht ungemütlich, denn im Gegensatz zum Fahrer, der sich am Ledervolant festkrallen kann, fehlt diese Möglichkeit für den Sitznachbarn. Und da es sich hier um Serienmodelle handelt, die mit normalen Dreipunktgurten ausgestattet sind, sitzt man nicht ganz so festgeschnürt im Sattel, wie in reinrassigen Rennwagen. Da aber die Fahrer ganz genau wissen, was geht und was nicht, wird das Grinsen im Gesicht zunehmend breiter.
Und es wird noch breiter, denn als die Lehrfahrten beendet sind, darf man selbst ran. Helm über die Rübe gestülpt, eines der bereitstehenden Autos geschnappt und in Vierergrüppchen plus Pacecar raus auf die Strecke. Der Fahrer im Pacecar ist natürlich wieder ein Profi, und er gibt eine ordentliche Geschwindigkeit vor, die von den hinterherfahrenden “Laien” schon als durchaus renntauglich bezeichnet werden könnte. Nachdem meine erste Fahrt mich hinter das Lenkrad eines Porsche Carrera S führte, folgte im Anschluss der 911er Turbo. Wo ein normaler 911er schon mächtig anschiebt, spielt der Turbo in einer ganz anderen Liga, 125 Mehr-PS sei Dank. Nach abermals vier betörenden Runden auf der Strecke zurück in die Boxengasse und auf den R8 V10 gewartet. Nochmals 55 PS mehr als im Stuttgarter Turbo und der unvergleichliche V10 Sound sind ein Erlebnis, das nur noch der anschlieÃend gefahrene 458 Italia toppen kann. Kein Wunder, mit 570 Pferden, dem Motor im Nacken und der Historie im Hinterkopf.
Ein weiteres kleines Highlight erwartetete uns dann noch in Form von Formel 1-Pilot Adrian Sutil, der “zufällig” – so hieà es zumindest von Seiten Michelins – inklusive Freundin an der Strecke erschien, um den mörderischen Gumpert Apollo um den Kurs zu prügeln. Der Apollo stand übrigens nicht zum Selberfahren bereit, der Beifahrersitz musste genügen. Wahrscheinlich besser so, denn das Zähmen dieses Biests überlässt man lieber erfahrenen Profis. Ãbrigens zeigte sich Adrian Sutil begeistert von dem Michelin Pneu. Michelin selbst darf diese Aussage aus rechtlichen Gründen nicht verwerten, ich schon!
Irgendwann war dann der ganze Spuk vorbei und was bleibt, ist die Erinnerung an einen einzigartigen Tag im Dubai Autodrome, der einige Stunden später bei einem Superluxus-Dinner im Jumeirah Beach Hotel inkl. Blick auf das einzige 7 Sterne Hotel der Welt – das Burj al Arab – endete.
Ach ja – und der Michelin Pilot Super Sport scheint wirklich ein einzigartiger Reifen zu sein. Sowohl Handling als auch Langzeitqualität sind über jeden Zweifel erhaben. Nach 180 Runden vollster Beanspruchung im Autodrome kam der Reifen erst langsam an seine Grenzen, war mehr des usprünglichen Profils auf der Strecke als am Reifen zu finden. Eine beeindruckende Performance, auch wenn im normalen Strassenverkehr wohl kaum eine solche Belastung zu erwarten sein dürfte. Der Aspakt der Sicherheit ist allerdings nicht zu ignorieren, wie der Bremstest vom Anfang zeigte. Meiner Meinung nach ist für den Alltagsgebrauch genau dies das wichtigste Argument, diesen Reifen einem anderen vorzuziehen.
Am nächsten Tag stand bereits wieder die Abreise an, es blieb nur der Vormittag um bei einer 3 stündigen Bustour den üblichen Sehenswürdigkeiten Dubais einen kurzen Besuch abzustatten. Wirklich erwähnenswert ist – abgesehen vom Luxus und den unfassbar vielen Baustellen in und um Dubai – aber nur das Burj Kalifa, das mit 828 Metern höchste Gebäude der Welt.
Kurz darauf saà ich schon wieder im Flugzeug zurück nach Frankfurt mit den gleichen unattraktiven Stewardessen, fragwürdigen Mahlzeiten und unbequemen Sesseln. Was aber diesmal reichlich egal war, denn in Gedanken saà ich immer noch am Steuer von Ferrari, Porsche und Co.
Nun bin ich wieder in Köln und steige jeden Tag in meinen mit 160 PS dermaÃen untermotorisierten Dodge, dass ich fluchen könnte. Schuld ist Michelin, die mich innerhalb weniger Stunden auf Supersportwagen geeicht und damit resistent gegen jegliche Fahrfreude bei Autos diesseits der 300 PS gemacht haben. Danke, Michelin!